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camouflage

Außenanlagen im Behördenzentrum Fulda

Gutachterverfahren, Juli 2004
Auftraggeber: Hessisches Baumanagement HBM Fulda

Prolog
Aus einem Wald wird Ackerland, aus dem Ackerland wird eine Aufmarschfläche, aus der Aufmarschfläche ein Garten, aus dem Garten . . .
Landschaft ist ein Phänomen. Nach Bernhard Lassus ist "Landschaft wohl das, was immer weiter weg ist, was außerhalb unseres Forschungsbereiches liegt: der immer weiter verschobene und wieder erneuerte Horizont, das Unerreichbare. Und wenn man sich ihr manchmal nähern kann, so wird im gleichen Moment, wo ich sie erreiche, die Landschaft zum Ort". (Zitat aus: "Die Lehre des Tarnanzuges" von B. Lassus, in 0m, Gesamthochschule Kassel, 1986) Und sinngemäß weiter: Am Ort selber verflüchtigt sich die Landschaft und ist in Fragmente und Gegenstände auseinandergefallen: in einen Baum, einen Stein, in ein Haus, in einen Fluss. Landschaft ist ein Ensemble von vielen einzelnen Objekten, bzw. eine Gesamtschau von allen möglichen Einzelobjekten. Dies wird sehr gut veranschaulicht durch die Mimikry verschiedener Tiere: Der Tiger verliert sich in der Savanne, die Heuschrecke im Gras, das Schneehuhn in der Schneelandschaft oder der Soldat in der Deckung. Sagt man nicht sogar Leoparden-Anzug?

Um von feindlichen Spähern nicht entdeckt zu werden, legen Soldaten sich und ihren Instrumenten einen Tarnanzug an. Sie imitieren die Landschaft und werden somit zu ihrem Teil. Ist der Tarnanzug nicht auch Symbol der Landschaft?

Die Idee
- "camouflage" - Der Gestaltungsansatz für die Außenanlagen auf der ehemaligen Aufmarschfläche und im jetzigen Behördenzentrum liegt im spielerischen Umgang von Transformation und ästhetischen Wahrnehmung einer Landschaft
Das Prinzip der Tarnung wird auf den Kopf gestellt. In Anlehnung an die vorherige Nutzung und die Formensprache militärischer Tarnung verwenden wir den Tarnanzug als Grundmuster für die Gestaltung eines neuen Gartens.

Ein fleckenartiges Muster aus Rasen, Pflanzen und Steinen erinnert an ein Kleidungsstück zur Tarnung in belebter Landschaft. Besonders jedoch ist, das dieses Kleidungsstück, diese nachem-pfundene Landschaft, liebreizend, einladend und farbenfroh ist. Ganz anders als die Assoziationen an militärisch beanspruchte Bereiche.

Der Rahmen
Die neue Gartenanlage stellt dem ansonsten strengen Raster der ehemaligen Kasernenanlage einen Kontrapunkt entgegen. Gradlinig verlaufende Hecken unterscheiden deutlich zwischen dem orthogonal geordneten Umfeld und dem freien, amorphen Formen im Inneren des Gartens. Auch sinnbildlich eine Loslösung von der Nutzung als Kaserne.
Aus den umliegenden Flächen werden die vorhanden Wegebeziehungen aufgenommen und über Zugänge in die Fläche geleitet. Die Zugänge sind kleine und große Rampen, die den geschlossene Rahmen aus kastenförmig geschnittenen Hecken durchstoßen. Vor dem Kataster- und Landwirtschaftsamt zeichnen die Hecken das Profil der aufgeschütteten Fläche und die Böschungen nach..

Die Fläche
Die offene Fläche innerhalb des Rahmens wird durch das Grün des Rasens, durch das Dunkle der befestigten Flächen und durch die verschiedenen blauen, weißen und rosa Blüten der Pflanzen farblich dominiert. Rasen und Wege ermöglichen ein Durchschreiten in alle Richtungen. Die Beete bleiben im Bereich des Hubschrauberlandeplatzes flach, wachsen jedoch zu den Rändern in räumlich wahrnehmbare Höhe.
Je nach Standort des Betrachters ergeben sich innerhalb des Gartens immer neue Sichtbezüge, Ein- und Durchblicke. Nischen und freie Flächen werden zu Aufenthaltsorten mit unterschiedlicher Atmosphäre auf kleinstem Raum. Der nächtliche Garten wird punktuell mit flach gestreutem Licht illuminiert.
Kleine Sitzpodeste und Schutzdächer laden als Haltepunkte ein. Über Sitzpodeste, die im u-förmig verlaufenden Grünstreifen um den ehemaligen Aufmarschplatz herum verteilt werden, wird ein Zusammenhang zwischen dem neugestalteten Garten und der Gesamtheit des Aufmarschplatzes hergestellt.

Dokumente der Zeitgeschichte
Als Dokumente der Zeitgeschichte schlagen wir vor, die Bunkergänge für wechselnde Ausstellungen oder künstlerische Interventionen herzurichten.
Eine ständige Ausstellung großformatiger Bildtafeln geben im Außenraum einen Überblick über die Geschichte des Ortes. Diese werden analog zu den Sitzpodesten als weiterer Baustein des inhaltlichen Zusammenhangs im u-förmigen verlaufenden Grünstreifen aufgestellt. Unterirdische Bunkergänge und außen liegende Schautafeln ergänzen sich gegenseitig in ihrer künstlerischen und dokumentarischen Aussagekraft.